ERES-Stiftung

Francesco Gennari
Sich selbst als einziger Bezugspunkt

2004, Gelatinesilber, 13 x 12,5 cm

Wie ein Alchemist lässt Francesco Gennari (geb. 1973) in seinen Mikrouniversen die Eigengesetzlichkeit der Materie mit dem Eigenwillen von Lebewesen reagieren. Ihn interessieren die Umwandlungsprozesse, die beim Zusammentreffen von toter Materie und Leben entstehen. Ist die Versuchsanordnung einmal arrangiert, greift er in den Prozess nicht mehr ein. Die Fotoarbeit zeigt eine Schnecke, die sich gegen das Gesetz der Schwerkraft aus ihrem Haus windet. Das Schneckenhaus ist um 180 Grad gedreht und sitzt wie eine Skulptur auf einem kreisrunden Sockel aus Sprühsahne. Belebtes und Unbelebtes ergeben eine paradoxe Konstellation. Der Titel der Arbeit verweist auf die Tatsache, daß Wahrnehmung stets vom Bezugspunkt abhängig ist. Narzißtisch scheint die Schnecke nur sich selbst zu betrachten und bewegt sich allein in einem kalten und leeren Bilduniversum. Für Gennari gibt es Eindeutigkeit nur jenseits der Wahrnehmung von Raum und Zeit, an die der Mensch zeit seines Lebens gebunden ist. Anknüpfend an die Tradition barocker Stilleben-Maler hat Gennari sein Arrangement leibhaftig vor Augen. Um den entscheidenden Moment mit der Kamera festzuhalten, verbringt er oft Stunden vor seinem Beobachtungs-Objekt.

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