INKYU PARK: LAOKOON-GRUPPE

3. Dezember 2020 – 8. April 2021

Inkyu Park - Laokoon-Gruppe - Detail
Inkyu Park, Laokoon-Gruppe, 2020/2021, © Inkyu Park, Foto: Vincent Entekhabi
Inkyu Park - Laokoon-Gruppe - Atelier
Inkyu Park, Laokoon-Gruppe, 2020/2021, © Inkyu Park, Foto: Vincent Entekhabi

Projekt

Inkyu Park (*1983 in Namyangju, Korea) schneidet, faltet und konstruiert – konzentriert und regelrecht besessen – seit mehr als sechs Monaten tagtäglich an seinem neuen Projekt. Dabei folgt er einem präzisen Plan: einem Schnittbogen aus Papier, der in 2D eines der berühmtesten Werke der europäischen Kunst plan legt: die Laokoon-Gruppe. Dieser Arbeitsprozess kann ab dem 03.12.2020 live durch die Fenster der Ladengalerie, oder im Stream verfolgt werden.

Leichte dünne Holzstäbe, Kleber, Papier und die im Alltagskonsum massenhaft anfallenden Tetra Paks dienen ihm bei seiner Neuinszenierung als Material. Sein wichtigstes Werkzeug ist digital: eine Falt- und Origami-Software, mit der verschiedene Vorlagen für die Anfertigung von 3D-Modellen entworfen werden können. Sind solche Papercraft-Objekte in der Regel Materialisierungen von Game-Heroen wie Darth Vader, nutzt Inkyu Park die 3D-Computergrafik, um über ein modelliertes Polygonnetz seine Version der Kunst-Ikone zu konstruieren.
Mit verschmitzter Hybris schreibt der Künstler seinem Original dabei die gleiche Authentizität zu wie dem »echten« Laokoon. Denn dieser ist ein mehrfach rekonstruiertes Artefakt, zusammengesetzt aus textlichen Überlieferungen, Kopien aus unterschiedlichen Epochen sowie aufgefundenen Fragmenten. Die genaue Gestaltung ist bis heute unbekannt, das Original nicht erhalten.

»Der Grund, warum meine Skulptur identisch ist mit dem Original liegt darin, dass ich das Original noch nie zuvor gesehen habe«.
Mit materialismuskritischer Geste greift Inkyu Park in die Getränkeregale, macht die Tetra Paks dieser Welt zum kulturellen Wertstoff und stellt sie selbstbewusst in den Kanon der Kunstgeschichte.

Sabine Adler

Website

atbase.space

Presse

Helden falten
Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2021, Evelyn Vogel
Artikel auf sueddeutsche.de