Luisa Baldhuber + Lu Cheng: Tracking

6. – 30. Dezember 2021

Rund um die Uhr geöffnet, die Ladengalerie ist von der Straße aus einsehbar

Tracking

Laut statistischem Bundesamt nutzen 90% der Menschen in Deutschland das Internet zu beruflichen und privaten Zwecken. Im Jahr 2020 gaben 89% aller privaten NutzerInnen ab 10 Jahren an, im Internet nach Informationen über Waren und Dienstleistungen zu suchen, 63% erledigten ihre Bankgeschäfte online und 55% nahmen an sozialen Netzwerken für private Kommunikation teil. Dabei werden bei jedem Klick, bei jedem Aufrufen einer Website und bei jeder Abfrage einer Suchmaschine Daten über die jeweiligen NutzerInnen gesammelt. Aus dem Erfassen und der Weiterverbreitung dieser persönlichen Daten in der für die meisten NutzerInnen undurchsichtigen digitalen Welt entsteht eine sekündlich wachsende Fülle von Informationen über sämtliche Bereiche unseres Lebens (Big Data). Algorithmen sind in der Lage, diese gewaltigen Datenmengen automatisch zu analysieren und präzise Nutzerprofile zu erstellen, die nicht nur unsere aktuellen Wünsche erkennen, sondern auch Bedürfnisse über personalisierte Werbeanzeigen gezielt generieren und unser zukünftiges Konsumverhalten manipulieren können. Als Ergebnis sehen wir uns täglich Fluten von visuellen und auditiven Werbeinhalten ausgesetzt, die durch personalisierte Algorithmen auf unsere scheinbaren individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Glaubt man den Aussagen von MitarbeiterInnen großer IT-Firmen aus dem Silicon Valley, so kennen uns Computersysteme besser als wir uns selbst.

Aber was haben diese personalisierten Inhalte mit uns als Person zu tun? Und lassen wir uns wirklich auf berechenbare Datensätze reduzieren? In der Video- und Soundinstallation »Tracking« setzen sich Luisa Baldhuber und Lu Cheng mit dem Konzept dieser digitalen Berechnungssysteme auseinander, die den Anspruch erheben, uns durch Statistik und Datenanalysen besser zu begreifen als wir das selbst tun. Statt passiv einer Flut von Inhalten in Social Media ausgesetzt zu sein, nutzen sie diese als Material in ihrer Kunst und wandeln sie um in eine eigene immersive, abstrahierte, künstliche Realität. Dabei lassen Baldhuber und Cheng Randinformationen, die sie persönlich interessieren und für wichtig halten, eine viel größere Bedeutung zukommen als den eigentlichen Hauptaussagen der Marketinganzeigen. Das Sammeln und Verfremden von Werbeinhalten, die ihnen auf Instagram und YouTube angezeigt werden, verstehen die Künstlerinnen als Aneignungsakt der über sie gespeicherten Daten und damit als Rückgewinnung der Deutungshoheit über ihre Interessen und Bedürfnisse.

Luisa Baldhuber (*1994)

Luisa Baldhuber studiert aktuell freie Kunst und Grafik bei Prof. Kogler an der Akademie der Bildenden Künste München. Ihr künstlerischer Themenschwerpunkt ist das Verhältnis von Farbe, Raum und Licht und wie diese unsere Raumwahrnehmung beeinflussen. In ihren immersiven Installationen schafft sie durch Wandmalerei und RGB Licht neue architektonische Ordnungssysteme, welche die realen Raumgrenzen sprengen und gleichzeitig auf diese verweisen. Der Künstlerin geht es darum, das Gegebene zu manipulieren und die Wahrnehmung so zu lenken, dass neue Assoziationen entstehen.

Lu Cheng (*1996)

Lu Cheng studierte von 2014 bis 2017 Industrie Design an der China Academy of Art und derzeit Kunst und Grafik bei Prof. Kogler an der Akademie der Bildenden Künste München. Ausgehend von gegenwärtigen Ereignissen aus der eigenen Umwelt und dem persönlichen Mikrokosmos, werden in ihren Arbeiten bestimmte digitale Bilder gesammelt sowie deren Bedeutung und Funktionalität für die eigene Person ebenso erforscht wie größere, meist verborgene Zusammenhänge. Die verschiedenen Bilder werden digital bearbeitet und in bewegliche Grafiken übersetzt. Fließend verbinden sie eigene und gefundene grafische Symbole sowie Zeichnungen und gehen in raumbezogenen Installationen neue Beziehungen ein.

Ausstellung

6. – 30. Dezember 2021

Meet the artists

Montag, 6. Dezember 2021, 16–19 Uhr
Sonntag, 12. Dezember 2021, 16–19 Uhr
Mittwoch, 15. Dezember 2021, 16–19 Uhr

Website

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