No Secrets!

Reiz und Gefahr digitaler Selbstüberwachung
23. März – 16. Juli 2017

Projekt

Überall online und digital vernetzt, beklagen wir den Verlust unserer Privatsphäre. Schuld daran sind paradoxerweise wir selbst, die mit unseren täglichen, oft leichtfertigen Gewohnheiten diesen Verlust befördern. Wir erzeugen eine Flut digitaler Informationen und speisen damit gegenwärtige und künftige Überwachungssysteme. Längst nutzen Sicherheitsbehörden, Versicherungen, IT-, Handels- oder Pharmakonzerne die Ergebnisse von Big Data-Analysen.

Mit Apps, Trackern und Sensoren kontrollieren wir bereitwillig uns selbst. Indem wir vom Hormonhaushalt zur Herzfrequenz, vom Schlafverhalten bis zum Gemütszustand Daten protokollieren, versuchen wir, uns selbst zu optimieren. Wir wollen schlanker, gesünder und leistungsstärker werden und unseren Alltag so effizient und bequem wie möglich gestalten. Die praktischen digitalen Helfer kommen diesen Wünschen spielend entgegen. Verhaltensmuster des Lebens, Eigenheiten und Ticks werden aufgezeichnet und analysiert. All das nehmen wir willentlich in Kauf oder blenden es aus. Treffend formuliert das der Slogan eines Fitness-Trackers: »We know you better than yourself«.

Die Daten, die wir heute bewusst oder unbewusst preisgeben, bestimmen auch unser zukünftiges Selbstbild – unser »future self(ie)«. Denn die Mittel der Datenüberwachung zeigen uns und anderen nicht nur, wo wir uns aktuell befinden. Zunehmend steuern sie auch, wohin wir uns bewegen und wie wir uns in Zukunft verhalten.

In dem Projekt No Secrets!, das die ERES-Stiftung gemeinsam mit dem Münchner Stadtmuseum realisiert, beleuchten Wissenschaftler und Künstler das aktuelle Phänomen: Wie lässt sich die Bereitschaft zur Selbstüberwachung erklären? Kann man sich dieser Entwicklung entziehen, ohne auf die Teilnahme an einem »zeitgemäßen« Leben verzichten zu müssen? Welche Gefahren birgt der Hang – oder Zwang – zur Transparenz? Gibt es in der digitalen Welt ein Recht auf Vergessen?

Gezeigt werden zehn zeitgenössische Positionen, die sich mit Videos, Fotografie, Installationen und Textilarbeiten mit dem Thema Selbstüberwachung auseinandersetzen.

Künstler: Hasan Elahi, Ed Fornieles, Rafael Lozano-Hemmer, Manu Luksch / Martin Reinhart / Thomas Tode, Susan Morris, Matthias Oostrik, Trevor Paglen, Tactical Technology Collective, Tega Brain / Surya Mattu

Wissenschaftler: Klaus Mainzer, Thomas Petri, Diana Tamir

Kooperation: Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum. Hier eröffnet am 23. März 2017 die Ausstellung No Secrets! – Bilder der Überwachung.

Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein gemeinsamer Katalog, 160 Seiten, EUR 18,00. Mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Dietmar Kammerer, Klaus Mainzer, Frank Pasquale, Daniela Stöppel, Diana Tamir und anderen.
Bestellung unter Kataloge

Vorträge

Dienstag, 28. März 2017, 19 Uhr

Prof. Dr. Klaus Mainzer, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie, em. Direktor der Carl von Linde-Akademie an der Technischen Universität München
Die Berechnung der Welt. Von der Macht und den Grenzen der Algorithmen und Big Data

Donnerstag, 18. Mai 2017, 19 Uhr

Prof. Dr. Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz
Dürfen Facebook, Google und der Staat unsere Daten sammeln? Ein Überblick über die aktuelle Rechtsprechung.

Montag, 03. Juli 2017, 19 Uhr

Prof. Dr. Diana Tamir, Assistenzprofessorin für Psychologie, Princeton University, USA, Leiterin des Princeton Social Neuroscience Lab
Der Reiz der digitalen Selbstdarstellung – eine neurowissenschaftliche Perspektive (in englischer Sprache)

Marek Tuszynski, Creative Director und Mitbegründer von Tactical Technology Collective
FEAR AND DESIRE v.0.2 (in englischer Sprache)

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