No Secrets!

Reiz und Gefahr digitaler Selbstüberwachung

23. März – 16. Juli 2017

Matthias Oostrik - plplpl.pl::scrutiny

Matthias Oostrik, plplpl.pl::scrutiny, 2016, © Matthias Oostrik

Ed Fornieles - Der Geist: Flesh Feast

Ed Fornieles, Der Geist: Flesh Feast, 2016, © Ed Fornieles, Courtesy Arratia Beer, Berlin

Ausstellung

Überall online und digital vernetzt, beklagen wir den Verlust unserer Privatsphäre. Schuld daran sind paradoxerweise wir selbst, die mit unseren täglichen, oft leichtfertigen Gewohnheiten diesen Verlust befördern. Wir erzeugen eine Flut digitaler Informationen und speisen damit gegenwärtige und künftige Überwachungssysteme. Längst nutzen Sicherheitsbehörden, Versicherungen, IT-, Handels- oder Pharmakonzerne die Ergebnisse von Big Data-Analysen.

Mit Apps, Trackern und Sensoren kontrollieren wir bereitwillig uns selbst. Indem wir vom Hormonhaushalt zur Herzfrequenz, vom Schlafverhalten bis zum Gemütszustand Daten protokollieren, versuchen wir, uns selbst zu optimieren. Wir wollen schlanker, gesünder und leistungsstärker werden und unseren Alltag so effizient und bequem wie möglich gestalten. Die praktischen digitalen Helfer kommen diesen Wünschen spielend entgegen. Verhaltensmuster des Lebens, Eigenheiten und Ticks werden aufgezeichnet und analysiert. All das nehmen wir willentlich in Kauf oder blenden es aus. Treffend formuliert das der Slogan eines Fitness-Trackers: »We know you better than yourself«.

Die Daten, die wir heute bewusst oder unbewusst preisgeben, bestimmen auch unser zukünftiges Selbstbild – unser »future self(ie)«. Denn die Mittel der Datenüberwachung zeigen uns und anderen nicht nur, wo wir uns aktuell befinden. Zunehmend steuern sie auch, wohin wir uns bewegen und wie wir uns in Zukunft verhalten.

In dem Projekt No Secrets!, das die ERES Stiftung gemeinsam mit dem Münchner Stadtmuseum realisiert, beleuchten Wissenschaftler und Künstler das aktuelle Phänomen: Wie lässt sich die Bereitschaft zur Selbstüberwachung erklären? Kann man sich dieser Entwicklung entziehen, ohne auf die Teilnahme an einem »zeitgemäßen« Leben verzichten zu müssen? Welche Gefahren birgt der Hang – oder Zwang – zur Transparenz? Gibt es in der digitalen Welt ein Recht auf Vergessen?

Gezeigt werden zehn zeitgenössische Positionen, die sich mit Videos, Fotografie, Installationen und Textilarbeiten mit dem Thema Selbstüberwachung auseinandersetzen.

Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum. Hier eröffnet am 23. März 2017 die Ausstellung No Secrets! – Bilder der Überwachung.

Künstler

Hasan Elahi, Ed Fornieles, Rafael Lozano-Hemmer, Manu Luksch / Martin Reinhart / Thomas Tode, Susan Morris, Matthias Oostrik, Trevor Paglen, Tactical Technology Collective, Tega Brain / Surya Mattu

Tactical Technology Collective in collaboration with La Loma - The Zuckerberg House

Tactical Technology Collective in collaboration with La Loma, The Zuckerberg House, 2016, © the artists, Foto: ERES Stiftung / Christoph Knoch

Rafael Lozano-Hemmer - Inspired by Real Events

Rafael Lozano-Hemmer, Inspired by Real Events, 2004, © Rafael Lozano-Hemmer, Courtesy Bitforms Gallery, New York, Foto: ERES Stiftung / Christoph Knoch

Vorträge

Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein gemeinsamer Katalog, 160 Seiten, EUR 18,00.
Mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Dietmar Kammerer, Klaus Mainzer, Frank Pasquale, Daniela Stöppel, Diana Tamir und anderen.
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Cover

Presse

No Secrets! - Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht, Foto: ERES Stiftung / Christoph Knoch