Tue Greenfort: Medusa Alga Laguna

Collateral Event der 59. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia

23. April – 1. November 2022

Erstmals ist die ERES Stiftung 2022 als Collateral Event auf der Biennale Arte 2022 vertreten. Mit Tue Greenforts Projekt »Medusa Alga Laguna« setzt die Stiftung das Münchner Ausstellungsprojekt »Alga« (2021) in Venedig fort. Greenforts Ansatz, die ökologische Situation eines Ausstellungsorts in die künstlerische Praxis einzubeziehen, verbindet sich mit einem zentralen Themenschwerpunkt der Stiftung – der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Klimawandel und Artensterben. Venedig mit der Lagune als sensiblem Ökosystem und als von den Klimaveränderungen besonders betroffene Stadt rückt dabei ebenso in den Fokus des Biennale-Beitrags wie das Anliegen der Stiftung, Venedig mit seinem kulturellen und kunsthandwerklichen Erbe zu bewahren und lebendig zu halten.

Medusa Alga Laguna
© ERES Stiftung, Thomas Dashuber

(Video: 19,72 MB)

Ausstellung

Knackig grüne Glasarbeiten hängen von der Decke, zarte Papiertondi machen gefilterte Algenspuren aus der Lagune von Venedig sichtbar. Medusen (Quallen) aus den Glaswerkstätten von Murano schweben im Ausstellungsraum, Gipsabdrücke von Strandabschnitten lenken den Blick auf die Küste als Biozone, Auszüge lokaler Zeitungen beleuchten den aktuellen Zustand der venezianischen Gewässer.

Die Ausstellung »Medusa Alga Laguna« des dänischen Konzeptkünstlers Tue Greenfort rückt die vielfältigen Lebensformen in der venezianischen Lagune in den Mittelpunkt. Der Künstler untersucht menschliche und nicht-menschliche Beziehungen, indem er sich mit Organismen beschäftigt, die sonst meist unbeachtet bleiben und oft kaum sichtbar sind. Die Faszination für Maßstäbe und Größenverhältnisse ist Ausgangspunkt für viele Projekte von Tue Greenfort. Seine Mikro-/Makrokosmos-Perspektive bildet die Grundlage für seine Installation, die uns in die Biodiversität der Gewässer von Venedig entführt und die Komplexität von Algen oder Medusen offenbart. Algen sind vormenschliche Lebensformen, die eine immer größere Rolle im Gleichgewicht ozeanischer Ökosysteme und den globalen Auswirkungen industrieller Landwirtschaft spielen, die eine Nährstoffschwemme in den Weltmeeren verursacht – ein Phänomen, das als Eutrophierung bekannt ist. Diese drei Milliarden Jahre alten Überlebenskünstler aus der atmungsfähigen Atmosphäre unseres Planeten sind heute Fluch und Segen zugleich.

In Greenforts Einzelausstellung – einem Collateral Event der Biennale Arte 2022 – kehrt sein früheres Projekt »Medusa« (2007), das aus Muranoglas gefertigt wurde, nach Venedig zurück. So bietet sich mit Blick auf die vielen Jahre, die seither vergangen sind und auf das dem ursprünglichen Projekt zugrundeliegende Konzept die Gelegenheit, die aktuelle Situation zu untersuchen. Dieses Nachdenken über Zeit macht Glas zum geeigneten Material. Greenforts Verwendung von Glas ist eine Referenz an die realistischen Darstellungen der böhmischen Familie Blaschka. Deren botanische und zoologische Glasmodelle – auch aus dem maritimen Bereich – waren Mitte des 19. Jahrhunderts als naturwissenschaftliche Lehrmodelle ebenso wie als Sammlerstücke äußerst beliebt. Ihre handwerkliche Qualität gilt bis heute als unübertroffen. Mit den Glaswerkstätten auf Murano hat jedoch eine jahrhundertealte Handwerkstradition überlebt. Indem Greenfort seine »Medusa« in Murano fertigen lässt, stellt er einen zeitlichen Bezug zur Naturdarstellung des 19. Jahrhunderts her und bezieht dabei den modernen Tourismus mit ein. In Massenproduktion hergestellte Glaswaren, darunter auch Quallen, werden in den Souvenirshops der Lagunenstadt als begehrte Sammlerstücke verkauft.

Tue Greenfort - SACCA SAN MATTIA I

Tue Greenfort, SACCA SAN MATTIA I, 2022, plaster, beach debris, Murano glass waste, 40 x 40 x 10 cm, © ERES Foundation, photo: Thomas Dashuber

Tue Greenfort - PERIPHYLLA PERIPHYLLA - MIGLIAIA DI MEDUSE

Tue Greenfort, PERIPHYLLA PERIPHYLLA, 2014, glass, 20 x 80 x 20 cm, MIGLIAIA DI MEDUSE, 2022, Inkjet transfer on metal sheets, 72 x 69 cm, © ERES Foundation, photo: Thomas Dashuber

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